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„Über Aussiedler war wenig bekannt“

Eine Integrationsstudie hält Aussiedler für besonders gut integriert

Unter den Zuwanderern sind sie die größte Gruppe mit den besten Integrationserfolgen: die Aussiedler. Sie leben eher auf dem Land als in der Großstadt und fallen auch deshalb kaum auf, weil sie sofort nach der Einreise Deutsche sind. Nur Sprache und Kultur sind manchmal noch fremd.

Berlin, im Februar 2009 – Ein Viertel aller Zuwanderer, fast vier Millionen Menschen oder knapp fünf Prozent aller Einwohner, sind Aussiedler. „Das widerspricht der optischen Wahrnehmung, insbesondere in den Städten“, meinte Reiner Klingholz dieser Tage in einem Zeitungsgespräch. Klingholz ist Leiter des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung und Mitautor der Studie „Ungenutzte Potentiale. Zur Lage der Integration in Deutschland“, die das Institut Ende Januar veröffentlicht hat.

Erstmals sind in der Untersuchung Integrations-Erfolge und -Misserfolge nach Herkunft der Zuwanderer ausgewertet worden. Aussiedler gehören dazu. „Denn es ist bekannt“, so die Studie, „dass Migranten verschiedener Herkunftsländer und Einwanderungswellen ganz unterschiedliche Startbedingungen in Deutschland hatten: Ob sie als Gastarbeiter oder Asylanten, als Aussiedler oder hoch qualifizierte Wirtschaftsmigranten kamen, bestimmt ganz wesentlich ihren sozialen Status (…) und wirken sich massiv auf die Qualität der Integration aus.“

Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung


Die im Januar 2009 veröffentlichte Studie „Ungenutzte Potentiale. Zur Lage der Integration in Deutschland“ entstand im Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung. Die Autoren sind Institutsleiter Reiner Klingholz, Franziska Woellert, Steffen Kröhnert und Lilli Sippel.

Das Institut beschreibt sich selbst als unabhängige Denkfabrik, die sich mit Fragen globaler demografischer Veränderungen sowie mit Entwicklungspolitik befasst und wissenschaftliche Informationen für den politischen Entscheidungsprozess aufbereitet. Im Jahr 2000 wurde es als gemeinnützige Stiftung gegründet, die sich über Spenden, Forschungsaufträge und Projektzuwendungen finanziert.

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„Über die Aussiedler war bisher wenig bekannt“, heißt es in der Untersuchung. Denn über Migranten, die eingebürgert wurden oder, wie die Aussiedler, sofort nach ihrer Einreise Anspruch auf einen deutschen Pass haben, gab es bis zum Mikrozensus 2005 keine Daten, obwohl sie laut Klingholz „inzwischen mehr als die Hälfte von insgesamt 15 Millionen Personen mit Migrationshintergrund ausmachen“. Durch die Untersuchung weiß man nun, dass Aussiedler, die überwiegend aus der ehemaligen Sowjetunion stammen, mit einem vergleichsweise hohen Bildungsstand nach Deutschland gekommen sind und auf dem Arbeitsmarkt relativ gut zurechtkommen. Und sie leben häufiger auf dem Land und in kleineren Städten als in den Metropolen wie Hamburg, München oder Berlin.

Allerdings können Sprachbarrieren und kulturelle Anpassungsprobleme die Integration behindern. Weil zudem Berufsabschlüsse aus dem Heimatland in Deutschland oft nicht anerkannt werden, erfüllt sich die Hoffnung vieler Familien auf einen sozialen Aufstieg nicht. Schon wesentlich besser sieht es für die neue Generation aus, die bereits in der Bundesrepublik geboren wurde.

Nur 3,3 Prozent haben keinen Bildungsabschluss (bei türkischen Migranten sind es 30 Prozent). Von der ersten bis zur zweiten Generation steigt auch die Zahl der Abiturienten stark an, wenngleich dies eher auf Mädchen als auf Jungen zutrifft. Bemerkenswert sei auch, so die Untersuchung, dass es unter den Aussiedlern genauso viele weibliche Akademiker wie männliche gibt: eine Seltenheit unter den Migrantengruppen in Deutschland.

Nur bei den Eheschließungen mit Einheimischen erscheinen die Aussiedler als wenig integrationsfreudig. Gerade einmal 18 Prozent gingen Partnerschaften mit einheimischen Deutschen ein. Doch die Zahl wird bald Geschichte sein und erklärt sich vor allem damit, dass viele Aussiedler mit der ganzen Familie kamen und auch den Ehepartner schon mitbrachten. In der zweiten Generation werden bereits zwei Drittel aller Ehen mit einheimischen Deutschen geschlossen.
 
Links zum Thema
- Studie „Ungenutzte Potentiale“

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Daten-Basis

In der Studie „Ungenutzte Potentiale. Zur Lage der Integration in Deutschland“ werden erstmals Zuwanderer nach ihrer Herkunft vorgestellt. Dies war möglich nach einer Stichprobenerhebung (Mikrozensus) von einem Prozent aller Haushalte in Deutschland, bei der 2005 zum ersten Mal nach dem eigenen Geburtsort und dem der Eltern gefragt wurde.

So wurde statistisch zwischen Einheimischen und Migranten unterschieden. Das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung hat auf der Grundlage dieser Daten die Zusammensetzung und die Eigenschaften acht unterschiedlicher Migrantengruppen analysiert: Aussiedler, Zuwanderergruppen aus der Türkei, EU-Ländern, Südeuropa, dem ehemaligen Jugoslawien, dem Fernen Osten, dem Nahen Osten und aus Afrika.

Dem Mikrozensus nach lebten 2005 knapp vier Millionen Personen aus Aussiedlerfamilien in Deutschland, also 4,7 Prozent aller Einwohner. Knapp 70 Prozent von ihnen kamen erst in den vergangenen 20 Jahren, überwiegend aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Mehr als vier Fünftel von ihnen lebt schon seit mindestens acht Jahren in der Bundesrepublik. Aussiedler genießen gegenüber allen anderen Migranten den Vorteil, schon bei der Einreise die deutsche Staatsbürgerschaft zu erhalten.