ORNIS-PRESS
ORNIS-PRESS
ORNIS-RSSORNIS-RSS|ORNIS InfoBriefORNIS InfoBrief|  

Sie sind hier: Startseite ›› Wochenrückblick ›› 2008

Schrift: kleiner | normal | größer

5. bis 11. Mai

Studie: Kaum Informationen über berufliche Anerkennung

Berlin – Auch wenn Ingenieure und Naturwissenschaftler in Deutschland zu den gesuchten Berufen gehören, werden Einwanderer aus Osteuropa und anderen Ländern in diesen Berufsgruppen häufig nicht in den Arbeitsmarkt integriert, schreibt die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» (FAZ) am 8. Mai. So sei es kein Einzelfall, dass Ärztinnen aus Russland als Putzfrauen arbeiten oder Ingenieure aus Iran als Hausmeister. Die Zeitung berichtete über die Studie ‚Brain Waste‘ von Bettina Englmann und Martina Müller, die von der gemeinnützigen Gesellschaft ‚Tür an Tür Integrationsprojekte‘ in Augsburg in Auftrag gegeben und dieser Tage in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Weder die Arbeitsverwaltung noch die ‚Migrationserstberatung‘ würden systematisch über berufliche Anerkennungsfragen aufklären, heißt es laut FAZ in der Studie.

Die Gründe für diesen Missstand seien vielfältig, zitiert auch die «Financial Times Deutschland» am 8. Mai aus der Untersuchung. Ein Grund sei der Föderalismus. Jedes Bundesland betreibe eigene, nach Abschlusstypen eingeteilte Anerkennungsstellen in Behörden, Ministerien und Kammern, insgesamt rund 400. Trotz dramatischem Fachkräftemangel bleibe völlig unberücksichtigt, dass etwa Heiratsmigranten, Spätaussiedler, jüdische Zuwanderer oder Flüchtlinge zum Teil hoch qualifiziert seien. Der «Deutschlandfunk» erwähnt am 9. Mai in einem eigenen Bericht über die Studie, dass unter Zuwanderern nur Spätaussiedler einen Rechtsanspruch auf ein Anerkennungsverfahren haben.

Das scheint den Betroffenen selbst kaum bekannt zu sein. Denn als die Sozialwissenschaftlerinnen für ihre Untersuchung Fragebögen an vorhandene Anerkennungsstellen und an Migranten verschickten, habe das zahlreiche Anrufe ausgelöst: „Allerdings nicht von potentiellen Teilnehmern, sondern von Migranten, die uns sagten, dass sie erstmals durch den Fragebogen überhaupt von einer Anerkennungsmöglichkeit gehört hätten und nun auf der Suche waren nach einer zuständigen Stelle.“ Deshalb geben die Autorinnen im Internet (http://www.berufliche-anerkennung.de) jetzt einen Überblick über mögliche Anerkennungsverfahren. Für die Untersuchung seien 152 Migranten befragt worden, schreibt die FAZ. Die Mehrheit kam aus Russland, der Ukraine und Kasachstan.


Russlanddeutsche Kindheit in Kanada

Berlin – „Kindheit wird nur bewahrt in dem, was man nicht vergisst.“ Der Schriftsteller Rudy Wiebe, 1934 als Sohn russlanddeutscher Mennoniten im kanadischen Saskatchewan geboren, blickt zurück auf seine frühen Jahre und Jugend. ‚Von dieser Erde‘ nennt der inzwischen 74-jährige Autor, Filmemacher und langjähriger Professor für englische Literatur seine Kindheitserinnerungen, heißt es am 6. Mai in einer Rezension seines Buches in «Die Berliner Literaturkritik». Rudy Wiebes Geburtshaus in Speedwell ist längst verfallen. Espen, Pappeln, Birken und Fichtengruppen bedecken wieder das Land, das seine Eltern dem Urwald abgewannen, um Platz zu schaffen für Hof, Viehweiden und Ackerland. 65 Hektar hatte die Canadian Pacific Railway Company den mennonitischen Einwanderer zur Verfügung gestellt. Wiebes Eltern Abram und Katerina kamen aus Romanowka im Gebiet Orenburg am Ural. Seine „Muttasproak“ ist Plautdietsch. Erst in der Schule lernte er Englisch und durch die Gottesdienstsprache Deutsch. Die großen Themen seines literarischen Schaffens wurden die Geschichte der Mennoniten und die seiner kanadischen Heimat, schreibt die Rezensentin. Viele seiner Bücher seien mit angesehenen Literaturpreisen ausgezeichnet worden.


Vertrauen auf eigene Fähigkeiten

Lübeck – 147 Lübecker sind dem sozialen Abstieg entronnen. Unterstützt von der Organisation ‚Pro selbständig‘ in der örtlichen Agentur für Arbeit haben sie ihre eigene Firma gegründet – mit Erfolg, wie die «Lübecker Nachrichten» am 8. Mai berichten. Einer von ihnen ist der 44-jährige Igor Stoppel. Der Russlanddeutsche aus Omsk kam im Juli 2004 mit seiner Frau und zwei erwachsenen Kindern nach Deutschland und brachte zwei Musik-Diplome und einen Jura-Abschluss mit. In der neuen Heimat musste er feststellen, dass hier Arbeitsplätze für Profi-Musiker rar sind, schreibt das Blatt. Hartz IV? Nein, danke, habe er sich gesagt und eine Musikschule gegründet. Nun unterrichte er Schlagzeug und andere Instrumente, seine Frau Elvira Klavier und Keyboard. Zwölf Schüler habe er derzeit, und es würden stetig mehr. Für die Unternehmensberaterin Jutta Hastenrath sei Igor Stoppel „ein Super-Beispiel für den erfolgreichen Einsatz eigener Fähigkeiten“.


„Tag des Sieges“ in guter Erinnerung

Berlin – Zur „Erinnerung an die Befreiung vom Faschismus durch die Rote Armee“ hatten zum 9. Mai antifaschistische Initiativen in den Treptower Park nahe des sowjetischen Ehrenmals eingeladen, schreibt der Berliner «Tagesspiegel» am 10. Mai. Und es seien die unterschiedlichsten Leute gekommen; manche aus politischen Gründen, andere wegen Nostalgie, Ostalgie oder Heimatliebe. Artem Zaharov kam, weil er Russe ist – „eigentlich Russlanddeutscher“, heißt es weiter. Vor drei Jahren war er nach Berlin gezogen. Vorher, in Dimitrowgrad, hatte er immer als Musiker an den Märschen zum 9. Mai, dem ‚Tag des Sieges‘ teilgenommen. „Ich habe den Tag in guter Erinnerung, weil die Kriegsüberlebenden sich immer so freuten“, berichtet er der Zeitung.


Deutsche Oma und junge Kasachen

Remscheid – Die Wände des ehemaligen Eiscafés sind jetzt fröhlich orange gestrichen, in dem Raum stehen einfache Holztische, und die alten Stühle aus dem Fundus der Stadt sind nun bunt angestrichen, heißt es im «Remscheider Generalanzeiger» am 6. Mai. Am 9. Mai werde der Hackenberger Stadtteiltreff eröffnet. „Doch bei den Leuten geht schon wieder um: Hier kriegen die Russlanddeutschen ihr Café“, sagt Projektleiter Dirk Brenneisen-Stoye vom Internationalen Bund dem Blatt. Dabei solle es doch ein Café für alle Bürger sein. „Natürlich wäre es das Idealbild, wenn sich hier die deutsche Oma mit dem jungen Mann aus Kasachstan austauscht, wenn wir die Ängste und gegenseitigen Ressentiments zwischen Russlanddeutschen, Polen und Einheimischen mindern könnten.“ Sollten aber nur einheimische Senioren kommen, dann sei das auch in Ordnung. Kaffee und Kuchen kosten nichts.


Haftstrafe statt Geldstrafe

Wolfsburg – In Handschellen wurde er ins Gericht geführt, in Handschellen ging es zurück in den Knast, schreibt die «Wolfsburger Allgemeine» am 7. Mai. Wegen mehrerer Diebstähle habe ein 35-jähriger Russlanddeutscher sechs weitere Monate Gefängnis aufgebrummt bekommen. Derzeit sitze der arbeitslose Mann bereits 140 Tagessätze ab, weil er eine Geldstrafe nicht bezahlt hätte. Gefährliche Körperverletzung, Diebstahl, Beleidigung – sein Vorstrafenregister lese sich spannend. Als der Staatsanwalt den Angeklagten wegen offensichtlicher Unwahrheiten einen „notorischen Dieb und Lügner“ nannte und ein halbes Jahr Haft forderte, habe der energisch widersprochen und überraschenderweise auf Deutsch „Geldstrafe, Geldstrafe“ gerufen. Nachdem der Richter tatsächlich sechs Monate Gefängnis verhängte, folgten „wüste Verwünschungen der Justiz und der ganzen Republik – auf russisch“, berichtet die Zeitung.


Zurück
5. bis 11. Mai

Studie: Kaum Informationen über berufliche Anerkennung

Berlin – Auch wenn Ingenieure und Naturwissenschaftler in Deutschland zu den gesuchten Berufen gehören, werden Einwanderer aus Osteuropa und anderen Ländern in diesen Berufsgruppen häufig nicht in den Arbeitsmarkt integriert, schreibt die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» (FAZ) am 8. Mai. So sei es kein Einzelfall, dass Ärztinnen aus Russland als Putzfrauen arbeiten oder Ingenieure aus Iran als Hausmeister. Die Zeitung berichtete über die Studie ‚Brain Waste‘ von Bettina Englmann und Martina Müller, die von der gemeinnützigen Gesellschaft ‚Tür an Tür Integrationsprojekte‘ in Augsburg in Auftrag gegeben und dieser Tage in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Weder die Arbeitsverwaltung noch die ‚Migrationserstberatung‘ würden systematisch über berufliche Anerkennungsfragen aufklären, heißt es laut FAZ in der Studie.

Die Gründe für diesen Missstand seien vielfältig, zitiert auch die «Financial Times Deutschland» am 8. Mai aus der Untersuchung. Ein Grund sei der Föderalismus. Jedes Bundesland betreibe eigene, nach Abschlusstypen eingeteilte Anerkennungsstellen in Behörden, Ministerien und Kammern, insgesamt rund 400. Trotz dramatischem Fachkräftemangel bleibe völlig unberücksichtigt, dass etwa Heiratsmigranten, Spätaussiedler, jüdische Zuwanderer oder Flüchtlinge zum Teil hoch qualifiziert seien. Der «Deutschlandfunk» erwähnt am 9. Mai in einem eigenen Bericht über die Studie, dass unter Zuwanderern nur Spätaussiedler einen Rechtsanspruch auf ein Anerkennungsverfahren haben. Das scheint den Betroffenen selbst kaum bekannt zu sein. Denn als die Sozialwissenschaftlerinnen für ihre Untersuchung Fragebögen an vorhandene Anerkennungsstellen und an Migranten verschickten, habe das zahlreiche Anrufe ausgelöst: „Allerdings nicht von potentiellen Teilnehmern, sondern von Migranten, die uns sagten, dass sie erstmals durch den Fragebogen überhaupt von einer Anerkennungsmöglichkeit gehört hätten und nun auf der Suche waren nach einer zuständigen Stelle.“ Deshalb geben die Autorinnen im Internet (http://www.berufliche-anerkennung.de) jetzt einen Überblick über mögliche Anerkennungsverfahren. Für die Untersuchung seien 152 Migranten befragt worden, schreibt die FAZ. Die Mehrheit kam aus Russland, der Ukraine und Kasachstan.


Russlanddeutsche Kindheit in Kanada

Berlin – „Kindheit wird nur bewahrt in dem, was man nicht vergisst.“ Der Schriftsteller Rudy Wiebe, 1934 als Sohn russlanddeutscher Mennoniten im kanadischen Saskatchewan geboren, blickt zurück auf seine frühen Jahre und Jugend. ‚Von dieser Erde‘ nennt der inzwischen 74-jährige Autor, Filmemacher und langjähriger Professor für englische Literatur seine Kindheitserinnerungen, heißt es am 6. Mai in einer Rezension seines Buches in «Die Berliner Literaturkritik». Rudy Wiebes Geburtshaus in Speedwell ist längst verfallen. Espen, Pappeln, Birken und Fichtengruppen bedecken wieder das Land, das seine Eltern dem Urwald abgewannen, um Platz zu schaffen für Hof, Viehweiden und Ackerland. 65 Hektar hatte die Canadian Pacific Railway Company den mennonitischen Einwanderer zur Verfügung gestellt. Wiebes Eltern Abram und Katerina kamen aus Romanowka im Gebiet Orenburg am Ural. Seine „Muttasproak“ ist Plautdietsch. Erst in der Schule lernte er Englisch und durch die Gottesdienstsprache Deutsch. Die großen Themen seines literarischen Schaffens wurden die Geschichte der Mennoniten und die seiner kanadischen Heimat, schreibt die Rezensentin. Viele seiner Bücher seien mit angesehenen Literaturpreisen ausgezeichnet worden.


Vertrauen auf eigene Fähigkeiten

Lübeck – 147 Lübecker sind dem sozialen Abstieg entronnen. Unterstützt von der Organisation ‚Pro selbständig‘ in der örtlichen Agentur für Arbeit haben sie ihre eigene Firma gegründet – mit Erfolg, wie die «Lübecker Nachrichten» am 8. Mai berichten. Einer von ihnen ist der 44-jährige Igor Stoppel. Der Russlanddeutsche aus Omsk kam im Juli 2004 mit seiner Frau und zwei erwachsenen Kindern nach Deutschland und brachte zwei Musik-Diplome und einen Jura-Abschluss mit. In der neuen Heimat musste er feststellen, dass hier Arbeitsplätze für Profi-Musiker rar sind, schreibt das Blatt. Hartz IV? Nein, danke, habe er sich gesagt und eine Musikschule gegründet. Nun unterrichte er Schlagzeug und andere Instrumente, seine Frau Elvira Klavier und Keyboard. Zwölf Schüler habe er derzeit, und es würden stetig mehr. Für die Unternehmensberaterin Jutta Hastenrath sei Igor Stoppel „ein Super-Beispiel für den erfolgreichen Einsatz eigener Fähigkeiten“.


„Tag des Sieges“ in guter Erinnerung

Berlin – Zur „Erinnerung an die Befreiung vom Faschismus durch die Rote Armee“ hatten zum 9. Mai antifaschistische Initiativen in den Treptower Park nahe des sowjetischen Ehrenmals eingeladen, schreibt der Berliner «Tagesspiegel» am 10. Mai. Und es seien die unterschiedlichsten Leute gekommen; manche aus politischen Gründen, andere wegen Nostalgie, Ostalgie oder Heimatliebe. Artem Zaharov kam, weil er Russe ist – „eigentlich Russlanddeutscher“, heißt es weiter. Vor drei Jahren war er nach Berlin gezogen. Vorher, in Dimitrowgrad, hatte er immer als Musiker an den Märschen zum 9. Mai, dem ‚Tag des Sieges‘ teilgenommen. „Ich habe den Tag in guter Erinnerung, weil die Kriegsüberlebenden sich immer so freuten“, berichtet er der Zeitung.


Deutsche Oma und junge Kasachen

Remscheid – Die Wände des ehemaligen Eiscafés sind jetzt fröhlich orange gestrichen, in dem Raum stehen einfache Holztische, und die alten Stühle aus dem Fundus der Stadt sind nun bunt angestrichen, heißt es im «Remscheider Generalanzeiger» am 6. Mai. Am 9. Mai werde der Hackenberger Stadtteiltreff eröffnet. „Doch bei den Leuten geht schon wieder um: Hier kriegen die Russlanddeutschen ihr Café“, sagt Projektleiter Dirk Brenneisen-Stoye vom Internationalen Bund dem Blatt. Dabei solle es doch ein Café für alle Bürger sein. „Natürlich wäre es das Idealbild, wenn sich hier die deutsche Oma mit dem jungen Mann aus Kasachstan austauscht, wenn wir die Ängste und gegenseitigen Ressentiments zwischen Russlanddeutschen, Polen und Einheimischen mindern könnten.“ Sollten aber nur einheimische Senioren kommen, dann sei das auch in Ordnung. Kaffee und Kuchen kosten nichts.


Haftstrafe statt Geldstrafe

Wolfsburg – In Handschellen wurde er ins Gericht geführt, in Handschellen ging es zurück in den Knast, schreibt die «Wolfsburger Allgemeine» am 7. Mai. Wegen mehrerer Diebstähle habe ein 35-jähriger Russlanddeutscher sechs weitere Monate Gefängnis aufgebrummt bekommen. Derzeit sitze der arbeitslose Mann bereits 140 Tagessätze ab, weil er eine Geldstrafe nicht bezahlt hätte. Gefährliche Körperverletzung, Diebstahl, Beleidigung – sein Vorstrafenregister lese sich spannend. Als der Staatsanwalt den Angeklagten wegen offensichtlicher Unwahrheiten einen „notorischen Dieb und Lügner“ nannte und ein halbes Jahr Haft forderte, habe der energisch widersprochen und überraschenderweise auf Deutsch „Geldstrafe, Geldstrafe“ gerufen. Nachdem der Richter tatsächlich sechs Monate Gefängnis verhängte, folgten „wüste Verwünschungen der Justiz und der ganzen Republik – auf russisch“, berichtet die Zeitung.


Zurück
5. bis 11. Mai

Studie: Kaum Informationen über berufliche Anerkennung

Berlin – Auch wenn Ingenieure und Naturwissenschaftler in Deutschland zu den gesuchten Berufen gehören, werden Einwanderer aus Osteuropa und anderen Ländern in diesen Berufsgruppen häufig nicht in den Arbeitsmarkt integriert, schreibt die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» (FAZ) am 8. Mai. So sei es kein Einzelfall, dass Ärztinnen aus Russland als Putzfrauen arbeiten oder Ingenieure aus Iran als Hausmeister. Die Zeitung berichtete über die Studie ‚Brain Waste‘ von Bettina Englmann und Martina Müller, die von der gemeinnützigen Gesellschaft ‚Tür an Tür Integrationsprojekte‘ in Augsburg in Auftrag gegeben und dieser Tage in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Weder die Arbeitsverwaltung noch die ‚Migrationserstberatung‘ würden systematisch über berufliche Anerkennungsfragen aufklären, heißt es laut FAZ in der Studie.

Die Gründe für diesen Missstand seien vielfältig, zitiert auch die «Financial Times Deutschland» am 8. Mai aus der Untersuchung. Ein Grund sei der Föderalismus. Jedes Bundesland betreibe eigene, nach Abschlusstypen eingeteilte Anerkennungsstellen in Behörden, Ministerien und Kammern, insgesamt rund 400. Trotz dramatischem Fachkräftemangel bleibe völlig unberücksichtigt, dass etwa Heiratsmigranten, Spätaussiedler, jüdische Zuwanderer oder Flüchtlinge zum Teil hoch qualifiziert seien. Der «Deutschlandfunk» erwähnt am 9. Mai in einem eigenen Bericht über die Studie, dass unter Zuwanderern nur Spätaussiedler einen Rechtsanspruch auf ein Anerkennungsverfahren haben. Das scheint den Betroffenen selbst kaum bekannt zu sein. Denn als die Sozialwissenschaftlerinnen für ihre Untersuchung Fragebögen an vorhandene Anerkennungsstellen und an Migranten verschickten, habe das zahlreiche Anrufe ausgelöst: „Allerdings nicht von potentiellen Teilnehmern, sondern von Migranten, die uns sagten, dass sie erstmals durch den Fragebogen überhaupt von einer Anerkennungsmöglichkeit gehört hätten und nun auf der Suche waren nach einer zuständigen Stelle.“ Deshalb geben die Autorinnen im Internet (http://www.berufliche-anerkennung.de) jetzt einen Überblick über mögliche Anerkennungsverfahren. Für die Untersuchung seien 152 Migranten befragt worden, schreibt die FAZ. Die Mehrheit kam aus Russland, der Ukraine und Kasachstan.


Russlanddeutsche Kindheit in Kanada

Berlin – „Kindheit wird nur bewahrt in dem, was man nicht vergisst.“ Der Schriftsteller Rudy Wiebe, 1934 als Sohn russlanddeutscher Mennoniten im kanadischen Saskatchewan geboren, blickt zurück auf seine frühen Jahre und Jugend. ‚Von dieser Erde‘ nennt der inzwischen 74-jährige Autor, Filmemacher und langjähriger Professor für englische Literatur seine Kindheitserinnerungen, heißt es am 6. Mai in einer Rezension seines Buches in «Die Berliner Literaturkritik». Rudy Wiebes Geburtshaus in Speedwell ist längst verfallen. Espen, Pappeln, Birken und Fichtengruppen bedecken wieder das Land, das seine Eltern dem Urwald abgewannen, um Platz zu schaffen für Hof, Viehweiden und Ackerland. 65 Hektar hatte die Canadian Pacific Railway Company den mennonitischen Einwanderer zur Verfügung gestellt. Wiebes Eltern Abram und Katerina kamen aus Romanowka im Gebiet Orenburg am Ural. Seine „Muttasproak“ ist Plautdietsch. Erst in der Schule lernte er Englisch und durch die Gottesdienstsprache Deutsch. Die großen Themen seines literarischen Schaffens wurden die Geschichte der Mennoniten und die seiner kanadischen Heimat, schreibt die Rezensentin. Viele seiner Bücher seien mit angesehenen Literaturpreisen ausgezeichnet worden.


Vertrauen auf eigene Fähigkeiten

Lübeck – 147 Lübecker sind dem sozialen Abstieg entronnen. Unterstützt von der Organisation ‚Pro selbständig‘ in der örtlichen Agentur für Arbeit haben sie ihre eigene Firma gegründet – mit Erfolg, wie die «Lübecker Nachrichten» am 8. Mai berichten. Einer von ihnen ist der 44-jährige Igor Stoppel. Der Russlanddeutsche aus Omsk kam im Juli 2004 mit seiner Frau und zwei erwachsenen Kindern nach Deutschland und brachte zwei Musik-Diplome und einen Jura-Abschluss mit. In der neuen Heimat musste er feststellen, dass hier Arbeitsplätze für Profi-Musiker rar sind, schreibt das Blatt. Hartz IV? Nein, danke, habe er sich gesagt und eine Musikschule gegründet. Nun unterrichte er Schlagzeug und andere Instrumente, seine Frau Elvira Klavier und Keyboard. Zwölf Schüler habe er derzeit, und es würden stetig mehr. Für die Unternehmensberaterin Jutta Hastenrath sei Igor Stoppel „ein Super-Beispiel für den erfolgreichen Einsatz eigener Fähigkeiten“.


„Tag des Sieges“ in guter Erinnerung

Berlin – Zur „Erinnerung an die Befreiung vom Faschismus durch die Rote Armee“ hatten zum 9. Mai antifaschistische Initiativen in den Treptower Park nahe des sowjetischen Ehrenmals eingeladen, schreibt der Berliner «Tagesspiegel» am 10. Mai. Und es seien die unterschiedlichsten Leute gekommen; manche aus politischen Gründen, andere wegen Nostalgie, Ostalgie oder Heimatliebe. Artem Zaharov kam, weil er Russe ist – „eigentlich Russlanddeutscher“, heißt es weiter. Vor drei Jahren war er nach Berlin gezogen. Vorher, in Dimitrowgrad, hatte er immer als Musiker an den Märschen zum 9. Mai, dem ‚Tag des Sieges‘ teilgenommen. „Ich habe den Tag in guter Erinnerung, weil die Kriegsüberlebenden sich immer so freuten“, berichtet er der Zeitung.


Deutsche Oma und junge Kasachen

Remscheid – Die Wände des ehemaligen Eiscafés sind jetzt fröhlich orange gestrichen, in dem Raum stehen einfache Holztische, und die alten Stühle aus dem Fundus der Stadt sind nun bunt angestrichen, heißt es im «Remscheider Generalanzeiger» am 6. Mai. Am 9. Mai werde der Hackenberger Stadtteiltreff eröffnet. „Doch bei den Leuten geht schon wieder um: Hier kriegen die Russlanddeutschen ihr Café“, sagt Projektleiter Dirk Brenneisen-Stoye vom Internationalen Bund dem Blatt. Dabei solle es doch ein Café für alle Bürger sein. „Natürlich wäre es das Idealbild, wenn sich hier die deutsche Oma mit dem jungen Mann aus Kasachstan austauscht, wenn wir die Ängste und gegenseitigen Ressentiments zwischen Russlanddeutschen, Polen und Einheimischen mindern könnten.“ Sollten aber nur einheimische Senioren kommen, dann sei das auch in Ordnung. Kaffee und Kuchen kosten nichts.


Haftstrafe statt Geldstrafe

Wolfsburg – In Handschellen wurde er ins Gericht geführt, in Handschellen ging es zurück in den Knast, schreibt die «Wolfsburger Allgemeine» am 7. Mai. Wegen mehrerer Diebstähle habe ein 35-jähriger Russlanddeutscher sechs weitere Monate Gefängnis aufgebrummt bekommen. Derzeit sitze der arbeitslose Mann bereits 140 Tagessätze ab, weil er eine Geldstrafe nicht bezahlt hätte. Gefährliche Körperverletzung, Diebstahl, Beleidigung – sein Vorstrafenregister lese sich spannend. Als der Staatsanwalt den Angeklagten wegen offensichtlicher Unwahrheiten einen „notorischen Dieb und Lügner“ nannte und ein halbes Jahr Haft forderte, habe der energisch widersprochen und überraschenderweise auf Deutsch „Geldstrafe, Geldstrafe“ gerufen. Nachdem der Richter tatsächlich sechs Monate Gefängnis verhängte, folgten „wüste Verwünschungen der Justiz und der ganzen Republik – auf russisch“, berichtet die Zeitung.


Zurück

Nach oben
Artikel bookmarken:
Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen My Yahoo